Freitag, 07. August 2020
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Schnell aber sicher zum Einsatz: 8 Tipps!

Wie ist das bei Euch, wenn der Funkmeldeempfänger (FME) piept oder die Sirene geht? Geht der Puls hoch? Werden die Atemzüge schneller?
Durchflutet Adrenalin Euren Körper?...

Ganz egal, was Ihr gerade macht – Euch geht nur noch ein Gedanke durch den Kopf: “Einsatz – Jetzt bloß keine Zeit verlieren!” Doch nach dem Einsatz stellt Ihr fest: Viele der Kameraden und Kameradinnen waren wieder mal schneller am Feuerwehrhaus und vielleicht denkt Ihr dann: “Warum eigentlich? So viel näher wohnen sie doch auch nicht am Feuerwehrhaus! Und schließlich bin ich nicht gerade langsam gefahren?” Vielleicht habt Ihr gleich in den ersten Sekunden einen entscheidenden Fehler gemacht: Ihr habt das Gehirn “ausgeschaltet” und Euch von einem motorisch-hektischen Handeln leiten lassen. Das kann in mehrfacher Hinsicht fatal sein: Wenn es auf jede Sekunde ankommt, ist ein durchdachtes und am besten trainiertes Handeln entscheidender denn je!

Bei einer Berufsfeuerwehr sind die Wege zu den Einsatzfahrzeugen kurz. Dass die Fahrzeuge innerhalb von rund 60 Sekunden ausrücken können, liegt aber nicht allein an dieser Tatsache. Die Reihenfolge, was bei einem Alarm zu machen ist, wird bei der BF in der Ausbildung gelehrt und gehört zur alltäglichen Routine: Bei den freiwilligen Feuerwehren gibt es diese Routine nicht, schon gar nicht bei einer Wehr, die pro Jahr nur zu wenigen Einsätzen ausrückt. Und trotzdem muss es wie bei den Berufsfeuerwehrleuten funktionieren. Die Einsätze sind gleich, auch hier kommt es auf Schnelligkeit an. Es liegt an jedem einzelnen, wie schnell die Feuerwehr zum Einsatz ausrücken kann.

Mit Bedacht handeln, damit Unfälle vermieden werden Wenn der Alarm über den FME ertönt – Stop! Denkt kurz in Ruhe nach, was zu tun ist. Sonst setzt Ihr Euch selbst enorm unter Druck. Plötzlich werden einfache Dinge, wie zum Beispiel das Schließen eines Knopfes an der Hose, zu fast unlösbaren Aufgaben – weil die zitternden Hände nicht mehr gehorchen wollen. Und wenn dann noch etwas schief geht, weil vielleicht der Autoschlüssel nicht zu finden ist, geratet Ihr in Panik. Eine nicht ungefährliche Situation, auch für den schwer beanspruchten Kreislauf – aber vor allem, weil irrationales Handeln während der Alarmierung Unfallgefahren birgt! Am besten, Ihr stellt Euch schon vor der Alarmierung in einer ruhigen Minute Euren ganz persönlichen “Alarmplan” auf. Was mache ich als erstes? Was darf ich nicht vergessen? Probiert es aus: Ihr werdet feststellen, das gibt Euch nicht nur Sicherheit, sondern macht Euch auch schneller, weil Ihr ruhiger und bestimmter reagieren könnt.

Tipp 1: Lasst Euch helfen, wenn der Funkmeldeempfänger piept!
Sensibilisiert Eure Mitmenschen. Eure Familie sollte nicht nur erschrocken zur Seite springen, wenn Ihr zum Einsatz müsst. Man kann Euch sinnvoll helfen: zum Beispiel die Jacke anreichen, die Haustür aufschließen oder das Auto öffnen – all das bringt wertvolle Sekunden. Das gleiche gilt tagsüber bei der Arbeit. Es ist sicher kein Problem für die Kollegen, die Maschine abzustellen oder das gerade geführte Telefonat zu übernehmen. Sie müssen nur im Voraus wissen, was zu tun ist – für lange Erklärungen habt Ihr bei einer Alarmierung keine Zeit.

Tipp 2: Haltet für den Notfall Ordnung!
Richtet Euch feste Aufbewahrungsstellen für die Dinge ein, die bei einer Alarmierung wichtig sind. Am besten, Ihr habt nur einen Platz für das Notwendige: Jacke, Schuhe und Schlüssel. (Nicht nur Auto- auch Wohnungsschlüssel. Irgendwann kommt Ihr auch wieder nach Hause). Mitbewohner müssen wissen, wie wichtig diese Ordnung für Euren Einsatz ist.

Tipp 3: Nachts, wenn alle schlafen…
Seid auf nächtliche Alarmierungen vorbereitet. Besonders, wenn die Phase des Tiefschlafs schon eingesetzt hat, werdet Ihr “schlaftrunken” reagieren. Es ist nicht schlimm, wenn Ihr den Pullover falsch herum anzieht. Schlimm ist es, wenn Ihr ihn nicht findet. Deshalb in unmittelbarer Nähe des Bettes Socken, Hose, Pulli oder T-Shirt, Schuhe und die Schlüssel bereitlegen (am besten in dieser Reihenfolge). Am einfachsten anzuziehen ist Sportkleidung wie zum Beispiel eine Jogginghose oder Trainingsanzug. Hilfreich bei den nächtlichen Feuerwehr-Alarmierungen sind übrigens sogenannte “Alarmstecker”. Wie bei der Berufsfeuerwehr geht beim Alarm ein gekoppeltes Licht an. Diese Stecker können an die Ladestationen einiger Funkmeldeempfänger angeschlossen werden, die einen Relaisausgang besitzen. Auch akustische Verstärker für “Tiefschläfer” finden hier Verwendung.

Tipp 4: Die Hose über die Stiefel stülpen!
Bei den Berufsfeuerwehren von Hamburg bis New York gehört es zur täglichen Praxis, bei den freiwilligen Feuerwehren hat es sich noch nicht überall durchgesetzt. Wer die Einsatzhose über die Stiefel zieht, spart wertvolle Zeit. So sollten Stiefel und Hose auch bereitstehen. Ein Sprung in die Stiefel, Hose hochziehen, schließen, fertig (bitte beachten: bei einigen Einsatzhosen raten Hersteller von einer knitternden Lagerung der Hose ab!) Die Einsatzhose über die Stiefel zu lagern spart nicht nur Zeit im Einsatz, sondern gibt darüber hinaus auch Sicherheit. Denn wer die Stiefel separat anzieht, trägt unweigerlich die Einsatzhose in den Stiefeln. Folge: Glassplitter und Brandschutt können in den Schaft gelangen. Aber Achtung: Nach dem Einsatz die nasse Hose trocknen lassen. Sonst ist Schimmel die Folge. Außerdem sollten die Hosenbeine nicht über den Stiefelschäften liegen, damit auch diese auslüften können. Besonders wichtig: Kontaminierte Einsatzkleidung gehört nicht in die Wohnung!

Tipp 5: Auto Rückwärts parken!
Ist Euer Auto ständig startklar? “Ja sicher”, sagt Ihr. Aber wie lange braucht Ihr im Fall einer Alarmierung, um loszufahren? In Parklücken solltet Ihr ausreichend Platz einkalkulieren. Zeit für lange Rangierversuche steht Euch nicht zur Verfügung. Parkt Ihr auf dem Hof oder in einer Garage? Prima, dann parkt rückwärts ein. Das gilt auch, wenn Ihr mit dem Auto irgendwo anders steht: immer rückwärts in die Parklücke fahren. Bei einer Alarmierung könnt Ihr gleich in Fahrtrichtung durchstarten. Plant auch das Wetter mit ein. Schnee und Frost können die Abfahrt erheblich verzögern. Eine “Folien-Garage” kann im Winter Wunder bewirken. Und vergesst nicht die richtigen Reifen. In der kalten Jahreszeit gilt ganz besonders: “Langsam, es pressiert!”

Tipp 6: Mit Vollgas vom Hof ist out!
Volle Pulle ist nicht immer schneller! Ob zulässig oder nicht, bei einer Alarmierung fährt wohl kaum ein Feuerwehrmitglied gemächlich zum Feuerwehrhaus. Jedoch gilt auch hier: Bevor Ihr den Zündschlüssel herumdreht – denkt nach! Das Missachten von roten Ampeln oder das Ignorieren der Vorfahrt anderer ist nicht nur dumm, sondern auch gefährlich. Denkt an mögliche Folgen: Vielleicht kommt es zu mehr als “nur” zum Blechschaden oder zum teuren Radarfoto. Vielleicht müssen die Kameraden dann plötzlich Euch helfen. Und: Wenn es zum Unfall kommt, werdet Ihr alleine zur Rechenschaft gezogen. Oder hat jemand Euch geraten, Ihr sollt die Verkehrsregeln missachten? Versucht Euch auch in die Lage der anderen Verkehrsteilnehmer zu versetzen. Ihr seid als Feuerwehrmann in Eurem eigenen Auto nicht oder nur bedingt zu erkennen. Oder würdet Ihr einen Pkw-Fahrer hinter Euch verstehen, der wild gestikulierend mit Warnblinker und Lichthupe dicht auffährt (was nebenbei den Tatbestand der Nötigung erfüllt)? Ein Dachaufsetzer oder Schild an der Scheibe kann nur ein zusätzliches Hilfsmittel sein. Und denkt abseits aller rechtlichen Dinge daran: Die meisten “Bürger” finden es alles, nur nicht bewundernswert, wenn zahlreiche Pkw mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Ortschaft donnern – auch und gerade wenn sie wissen, dass es sich dabei um Feuerwehrleute handelt. Kennt Ihr alternative Wege zum Feuerwehrhaus? Falls nicht, dann macht Euch doch mal Gedanken darüber. Vielleicht ist die Straße, die Ihr nutzen wollt, durch den Unfall versperrt, zu dem Ihr alarmiert wurdet. Vielleicht blockiert eine Müllabfuhr die ganze Straßenbreite. Und von der Umleitung wegen der Baustelle habt Ihr auch nichts gewusst? Beobachtet allgemein die Verkehrslage: Ist die sonst so kurze Strecke im Berufsverkehr jetzt auch noch so zeitsparend?

Tipp 7: Erst nachdenken, dann ausrüsten!
Einsatzstichwort verstehen und mitdenken. Alphanumerik-Pager, die den Einsatzort und das Einsatzstichwort anzeigen, sind eine feine Sache. Aber auch analoge Funkmeldeempfänger können mit der Durchsage der Leitstelle weiterhelfen. Bei beiden Arten habt Ihr den Vorteil, über die Einsatzart Bescheid zu wissen. Macht Euch kurz Gedanken darüber, was Ihr beachten müsst. Für den Feuerwehrmann ist es auch wichtig, über die benötigte Ausrüstung für den Einsatz nachzudenken. Braucht Ihr die Atemschutzmaske? Die Rettungsweste? Die Latexhandschuhe? Welches Feuerwehrauto muss als erstes besetzt werden? Und als Maschinist: Kennt Ihr vielleicht schon den zeitgünstigsten Anfahrtsweg?

Tipp 8: Richtig angezogen ins Fahrzeug!
Schnell die Jacke, Helm, Einsatzhose und Stiefel vom Haken gerissen und ab ins Löschfahrzeug. Es muss schließlich schnell gehen. Alltag bei deutschen Feuerwehren. Doch wollt Ihr wirklich Eure eigene Sicherheit aufs Spiel setzen, um 3 Sekunden schneller ausrücken zu können? Auch hier dürft Ihr ruhig ein paar Sekunden investieren. Vom Umziehen im Einsatzfahrzeug ist dringend abzuraten. Der Ellbogen des anderen, der gerade in die Jacke schlüpft, im eigenen Gesicht tut ganz schön weh. Im Fahrzeug herumfliegende Hausschuhe oder Privatkleidung können schnell zur Stolperfalle werden. Haltet Ordnung! Und wenn der Maschinist mal scharf bremsen muss, habt Ihr keine Hand frei zum Festhalten, weil Ihr gerade halb stehend, halb sitzend, die Einsatzhose hochzieht. Positiver Nebeneffekt: Wenn Ihr schon fertig angezogen seid, könnt Ihr zum Beispiel den Kameraden beim Anlegen des Atemschutzgerätes helfen oder Euch mit Feuerwehrleine, Handlampe etc. ausrüsten. Das spart nachher wirklich Zeit. Text: Michael Klöpper (https://www.feuerwehrmagazin.de)

Freiwillige Feuerwehr Baiersbronn

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